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Vierhundert Prozent in sieben Jahren. Bei einer Krankheit, von der noch nie jemand etwas gehört hat.
Jonas Reuter sieht die Kurve an einem Mittwochabend, halb neun, im fast leeren Großraumbüro einer kleinen Hamburger Investigativredaktion. Eigentlich nur eine Routine-Auswertung der WHO-Sterblichkeitsdaten, Vergleichsbasis für eine HIV-Recherche, die er für eine Kollegin liefern soll, bis Montag. Aber die Zahl, die er sieht, kann nicht stimmen.
Sie heißt Mwenzi. Sie steht in einem Programm der Voss-Foundation, einer der respektabelsten humanitären Organisationen Europas. Edmund Voss spricht leise. Er lächelt selten. Die Welt nennt ihn einen Heiligen.
Reuter, siebenundvierzig, geschieden, eine Tochter von neun Jahren, beginnt zu fragen, wie genau die Stiftung in Nigeria arbeitet. Schon nach wenigen Tagen passen die Antworten, die er bekommt, nicht zueinander. Er fliegt nach Lagos, dann nach Kano. Er trifft eine nigerianische Ärztin, die nicht mehr weiß, wem sie trauen soll, und einen alten Mann am Stadtrand, der ihm in seiner eigenen Sprache erklärt, was Mwenzi einmal bedeutete, bevor die Stiftung das Wort in ihr Marketing aufgenommen hat.
Während er recherchiert, schließen sich um ihn herum Türen, die er vorher nicht bemerkt hatte. Während er recherchiert, sieht seine Tochter ihn weniger. Während er recherchiert, lernt er ein anderes Wort für Hilfe.
Ein literarischer Investigativroman, dokumentarisch im Ton, klinisch genau im Detail. Über Hilfe als Sprache. Über die Stille, in der Bedeutungen verschoben werden. Über einen Mann, der eine Geschichte zu Ende bringt, von der niemand will, dass sie zu Ende kommt.
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